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Französischer Apfelkuchen und die Sache mit dem September

Heute ist der 1. September. Der Sommer sitzt offiziell noch am Tisch, während der Herbst draußen bereits die Stühle zusammenklappt.

Wenn ich aus dem Fenster schaue, biegen sich die Gräser im Wind, die Wolken ziehen tief und für einen Moment sieht die Rhön aus, als hätte sie beschlossen, heute Nordseeküste zu spielen. Da passt ein Apfelkuchen perfekt.

Warum dieser hier französischer Apfelkuchen heißt, habe ich nicht hinterfragt. Vermutlich, weil „Kuchen mit fünf Äpfeln und ordentlich Rum“ kulinarisch weniger elegant klingt. 

Dieser hier hat fünf Äpfel, Butter, braunen Zucker, Vanille und 100 Milliliter Spiced Rum.

Also im Grunde alles, was man braucht. Vor allem Rum. 100 Milliliter sind übrigens keine Spur Rum. Das ist eine Entscheidung.

Und Entscheidungen finde ich Anfang September beruhigend, weil draußen gerade niemand eine trifft.

Morgens zieht man einen Pullover an, mittags bereut man ihn und abends sucht man ihn wieder. Meteorologisch nennt man das Übergangszeit. Ich nenne es Kleidungsversagen.

Noch vor einer Woche konnte man sich einreden, der Sommer würde ewig dauern. Jetzt liegt ein Apfel auf dem Küchentisch und man denkt: Na wunderbar. In acht Wochen diskutieren wir wieder darüber, ob Spekulatius im Oktober gesellschaftlich vertretbar ist.

Dabei mag ich dieses Dazwischen.

Das Licht liegt schon anders auf den Feldern, obwohl die Bäume noch grün sind. Die Luft riecht morgens nach Herbst, während der Nachmittag behauptet, das alles sei ein Missverständnis.

Menschen sind in Jahreszeitenfragen sowieso erstaunlich undankbar.

Im Juli wollen wir Schatten. Im September wollen wir den Juli zurück. Und im November stellen wir Kerzen auf und tun so, als hätten wir uns die Dunkelheit persönlich ausgesucht.

Also Kaffee einschenken, Kuchen essen, nach draußen schauen und für zehn Minuten nicht entscheiden müssen, ob gerade etwas endet oder etwas anfängt.

Falls der Herbst heute schon vor der Tür steht, soll er wenigstens wissen, in welchen Haushalt er da gerät.

#PatrickRosenthal #apfelkuchen

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