bsafe26.com. Die Zeiten haben sich geändert. Nicht im gemessenen Rhythmus der Jahrhunderte, sondern im jähen Takt des Digitalen. Einst war Kritik die Ziselierung am Werk der Vernunft, das feine Meißeln an Gedanken, um sie klarer hervortreten zu lassen. Heute aber gleicht sie oft einer Keule: grob, hastig, geführt mit der Kraft des Ressentiments.
Wir erleben die Verschiebung einer Kultur. Aus dem Gespräch,
das wie ein Bach die Steine umspülte, ist ein Strom geworden, der mit reißender Gewalt alles mitreißt, was sich ihm in den Weg stellt, manches als ungewollten Beifang hinwegspült. Kritik als Schule der Aufklärung – diese Tradition, die von Kant über die Salons der Aufklärung bis hin zu Habermas reichte – verliert ihre Kontur. An ihre Stelle tritt ein Gestus der moralischen Überheblichkeit, der keine
Läuterung sucht, sondern Deklassierung.
Die sozialen Medien sind die neuen Arenen. Wie im alten Rom verlangt das Publikum nach Spektakel, nach Blut und Staub, nicht nach Maß und M...