Die Nachhaltigkeitslüge -
Er heißt Saed Odeh. Kein Intellektueller, kein Aktivist – sondern Entrümpler. Seit 15 Jahren räumt er in München Wohnungen aus, wenn das Leben dort verstummt ist. Was bleibt, sind Bücher, Möbel, Geräte – Zeugnisse von Existenzen, die sich in Konsum und Gewohnheit niederschlagen.
Im Gespräch mit ihm wird mir klar: Der Begriff „Nachhaltigkeit“ hat seine Substanz verloren. Er ist zum moralischen Etikett verkommen – hübsch anzusehen, aber inhaltsleer.
Odeh sagt: „Die Menschen schmeißen heute sogar alte Familienalben weg. Bilder in Schwarz-Weiß. ‚Weg mit dem Krempel‘, sagen sie. Dann halte ich so ein Bild in der Hand und denke mir: Ich bin vielleicht der Letzte, der dieses Gesicht sieht.“
Selbst alte Bauernschränke, einst geschätzt, landen heute achtlos auf dem Sperrmüll. Vor wenigen Jahren hätte man sie noch bewahrt. Heute zieht das Beliebige ein – IKEA statt Geschichte. Für Saed Odeh ist das unverständlich. Und vielleicht liegt genau darin seine Klarsicht: Dass...
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