Manchmal genügt es, einen einzigen Nachmittag lang Gesprächen zu lauschen, um zu begreifen, wie arm eine wohlhabende Gesellschaft an Sprache geworden ist. Da sitzen Menschen in Cafés, in Büros, in Talkshows, und was sie einander hinwerfen, sind nicht Worte, sondern Floskeln. Sprachliche Kleider von der Stange, abgetragen, zerknittert, und doch mit einer Selbstverständlichkeit vorgeführt, als seien sie edler Zwirn.
Es ist eine eigenartige Marotte der Gegenwart, dass man auf jede Frage, jede Entschuldigung, jedes noch so kleine Angebot zur Zuwendung dieselbe gedroschene Antwort erhält: „Alles gut.“
Ein Satz, der in seiner Kürze beinahe beruhigend wirken möchte und doch nichts als geistige Ödnis offenbart. „Darf ich Ihnen noch ein Glas Wein einschenken?“ – „Nein, alles gut.“ „Es tut mir leid, dass ich gestern nicht zurückgerufen habe.“ – „Nein, alles gut.“ Das „Alles gut“ ist die sprachliche Ein-Euro-Münze unserer Zeit: überall im Umlauf, von jedermann verwendbar, aber in Wahrheit ohne We...
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