Pfingstmontagmorgen
Es ist still.
Die Tagesbar leer, wie ein Versäumnis im Kalender Gottes.
Nur der Barista, der mehr weiß, als er sagt, stellt einen Americano vor mich hin – schwarz, würdevoll, aufrichtig.
Er dampft, wie eine letzte Hoffnung.
Draußen schläft München,
die alte, schöne, schlaflose Stadt.
Sie atmet noch – schwer, fremd,
wie eine Frau, die man einst geliebt hat,
jetzt aber nicht mehr erkennt.
Sinatra singt leise „The Summer Wind“ aus den Lautsprechern, als wüsste er genau, was dieser Augenblick bedeutet.
Ein Lied, das bleibt, wenn alles andere geht.
Ein perfekter Moment,
schmerzlich schön wie ein Abschied,
den man sich nicht eingestehen will.
Ich sitze da, inmitten von Glas und Beton, zwischen Latte-Art und Leere,
und alles ist zugleich geweiht und verloren.
Der Geschmack dieses Kaffees – bitter, warm, klar –
ist wie ein stilles Amen vor dem Kirchgang.
Ein Moment Gnade,
bevor der Lärm wieder Besitz ergreift.
Früher war diese Stadt ein Lied.
Heute ist sie ein Echo.
D...
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